Inhaltstoffe

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Auch wenn eine Heilpflanze wesentlich mehr ist als nur die Summe ihrer Inhaltstoffe, lohnt es sich, die verschiedenen Wirkstoffe kennen zu lernen.

Dadurch kann man sich auch die Wirkung der Heilpflanzen besser erklären.

Es gibt mehrere Gruppen von Inhaltstoffen, deren Vertreter recht unterschiedlich sein können, aber meistens auch Gemeinsamkeiten aufweisen.

Nachfolgend werden einige besonders wichtige Gruppen von Inhaltstoffen beschrieben. Da es aber sehr viele exotische Inhaltstoffe gibt, können bei weitem nicht alle beschrieben werden.

Ätherische Öle

Die ätherischen Öle sind die bekanntesten Inhaltstoffe von Heilpflanzen.

Sie werden sogar als eigene Therapieform eingesetzt, als Aromatherapie. Für diese Anwendungsweise kann man die extrahierten ätherischen Öle in kleinen Flaschen kaufen.

Ätherische Öle sind die duftenden Bestandteile einer Pflanze. Sie verdunsten leicht und rückstandsfrei und verschwinden in der Luft, weshalb man sie als ätherisch bezeichnet.

Der Geruch der ätherischen Öle kann sehr unterschiedlich sein. Manche riechen lieblich wie Rosen. Andere riechen herb und würzig wie das bekannte Teebaumöl.

Genauso wie der Geruch ist auch die Wirkung verschiedener ätherischer Öle sehr unterschiedlich. Doch viele haben gewisse Gemeinsamkeiten.

Viele ätherische Öle wirken antibakteriell, antiviral und teilweise sogar pilzhemmend. Das hängt wohl damit zusammen, dass ätherische Öle von den Pflanzen unter anderem als Abwehrstoff gegen Feinde gebildet werden. Besonders gute antibiotische Wirkungen haben beispielsweise die ätherischen Öle vom Teebaum, Thymian, Lavendel.

Auch Wirkungen auf die Psyche sind typisch für ätherische Öle. Manche wirken entspannend, wie der Lavendel und andere anregend, wie der Rosmarin. Manche machen auch verträumt und sinnlich.

Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Substanzen. Daher können sie auch schädliche Wirkungen haben, wenn man sie zu hoch dosiert oder falsch anwendet.

Zur gezielten Anwendung ätherischer Öle gibt es ein extra Kapitel ab Seite 118.

Heilpflanzen mit ätherischen Ölen sind beispielsweise:

·         Fenchel, Kamille, Melisse, Pfefferminze, Salbei, Thymian

Alkaloide

Bei Alkaloiden handelt es sich im Allgemeinen um besonders stark wirkende Inhaltstoffe der Heilpflanzen. Zu ihnen gehören auch die stärksten Gifte, beispielsweise das Aconitin des Eisenhutes.

Sie können jedoch auch als Genussmittel wirken, wie das Koffein des Kaffees oder als starkes Heilmittel wie das Codein gegen Husten.

Die Wirkungen der Alkaloide können sehr unterschiedlich sein und auch sehr verschieden schmecken. Viele Alkaloide sind jedoch bitter, wenn auch auf andere Weise bitter als die verdauungsfördernden Bitterstoffe.

Heilpflanzen mit Alkaloiden sind beispielsweise:

·         Baldrian, Mistel, Schöllkraut, Tollkirsche

Bitterstoffe

Bitterstoffe sind kein einheitlicher Stoff, sondern verschiedene Substanzen, die bitter schmecken. Mit Bitterstoffen kann man die Verdauung anregen, den Appetit und die Aktivität der Leber stärken. Heilpflanzen mit Bitterstoffen werden gerne in Magenbitter verwendet, um die Verdauung zu erleichtern.

Jedoch sind nicht bitter schmeckenden Substanzen Bitterstoffe. Manche bitter schmeckenden Stoffe sind auch Alkaloide mit ganz unterschiedlichen Heil- und Giftwirkungen. Man kann also von einem bitter schmeckenden Heilkraut nicht unbedingt darauf schließen, dass es Bitterstoffe enthält und verdauungsfördernd ist.

Bitterstoffe sind häufig in Wurzeln zu finden, aber auch im ganzen Kraut.

Heilpflanzen mit Bitterstoffen sind beispielsweise:

·         Angelika, Johanniskraut, Löwenzahn, Schafgarbe, Wacholder

Cumarine

Cumarin duftet wie Heu oder wie Waldmeister. Dieser Duft stammt nicht von ätherischen Ölen sondern von den Cumarinen. Diese Cumarine wirken blutverdünnend, was Vorteile bei zu dickem Blut und Bluthochdruck hat. Bei Blutungen kann die blutverdünnende Wirkung jedoch gefährlich werden.

In den letzten Jahren hat man in Studien herausgefunden, dass Cumarine bei extrem hoher Dosierung und Daueranwendung manchmal krebsfördernd wirken können. Das gilt jedoch nicht für die normale Anwendung von Cumarinen und der Heilpflanzen in denen sie enthalten sind.

Heilpflanzen mit Cumarinen sind beispielsweise:

·         Kamille, Lavendel, Thymian, Rosskastanie, Zimt

Flavonoide und Flavone

Bei Flavonen handelt es sich um eine Gruppe von gelben Farbstoffen. Diese gelben Farbstoffe haben ein ganzes Spektrum von Heilwirkungen. Flavonoide sind die Übergruppe der Flavone, die außerdem Isoflavone, Flavonole und andere umfassen.

Flavone wirken blutdrucksenkend, galleanregend, gefäßerweiternd, gerinnungshemmend und harntreibend. Viele Flavone wirken auch stärkend auf Herz, Kreislauf und Leber.

Flavone sind häufig in Blüten enthalten, wo sie sich durch gelbe oder orangene Blütenfarbe bemerkbar machen. Man findet sie jedoch auch in anderen Pflanzenteilen.

Heilpflanzen mit Flavonen sind beispielsweise:

·         Birke, Goldrute, Holunder, Kamille, Ringelblume, Weißdorn

Gerbstoffe

Gerbstoffe wirken adstringierend, sie ziehen Gewebe und Schleimhäute zusammen. Dadurch können Gerbstoffe gegen Wunden und Entzündungen helfen. Bei Hautentzündungen, offenen Wunden, Ekzemen, Halsentzündungen und Entzündungen der Verdauungsorgane kann man Gerbstoffe einsetzen.

Man findet Gerbstoffe vorwiegend in Wurzeln oder Rinden, aber auch manche Blätter enthalten Gerbstoffe.

Heilpflanzen mit Gerbstoffen sind beispielsweise:

·         Bärentraubenblätter, Kamille, Salbei, Schafgarbe, Zimt

Glykoside

Glykoside sind eine große Gruppe von Wirkstoffen, die ganz unterschiedliche Wirkungen haben. Gemeinsam ist den Glykosiden, dass sie bestimmte Zuckerverbindungen enthalten. Auch Saponine, Flavone und Cumarine gehören zu den Glykosiden, werden hier aber als extra Wirkstoffarten beschrieben.

Manche Glykoside sind stark giftig, beispielsweise die Blausäure. Andere sind zwar giftig, können aber auch als starkes Heilmittel verwendet werden. Dazu gehören die Herzglykoside, beispielsweise das Digitalis aus dem Fingerhut. Richtig angewendet kann es Leben retten, überdosiert kann es töten.

Es gibt aber auch mild wirkende Glykoside, beispielsweise das schmerzstillende Salicin in der Weide.

Heilpflanzen mit Glykosiden sind beispielsweise:

·         Aloe vera, Bärentraube, Frauenmantel, Lavendel, Melisse, Ringelblumen, Spitzwegerich, Weißdorn

Saponine

Saponine sind Glykoside mit seifenähnlicher Wirkung. Wenn sie in Pflanzen reichlich vorkommen, kann man damit Schaum erzeugen, wie bei Seife. Eine besonders saponinreiche Pflanze ist das Seifenkraut, mit dem man sich durchaus waschen kann, dank der seifigen Wirkung.

Als Heilmittel wirken Saponine reizend auf Schleimhäute. Dadurch wirken sie unter anderem harntreibend. Wegen der harntreibenden Wirkung werden sie gerne bei Nierenschwäche eingesetzt. Doch bei einer Nierenentzündung oder gar Nierenversagen sollte man sie keinesfalls einsetzen, weil sie die entzündeten Schleimhäute noch zusätzlich reizen.

Eine weitere Wirkung von Saponinen ist die Beschleunigung der Aufnahme anderer Wirkstoffe. Daher werden saponinhaltige Heilpflanzen gerne zu Mischtees beigefügt, um die Wirkung zu beschleunigen.

Heilpflanzen mit Saponinen sind beispielsweise:

·         Birke, Frauenmantel, Goldrute, Hirtentäschel, Königskerze, Lavendel, Linde, Melisse, Mistel, Ringelblume, Rosmarin, Rosskastanie, Schachtelhalm, Spitzwegerich, Thymian

Schleimstoffe

Schleimstoffe sind unterschiedliche Substanzen, die in Wasser aufquellen und schleimig werden. Dadurch wirken sie erweichend, reizlindernd und einhüllend. Man kann sie bei Reizzuständen und Entzündungen der Schleimhäute verwenden, beispielsweise bei Husten oder Durchfall. Auch bei manchen Wunden können Schleimstoffe helfen.

Weil Schleimstoffe den Darminhalt gleitfähiger machen, werden sie teilweise auch bei Verstopfung verwendet, beispielsweise in Form von Leinsamen.

Heilpflanzen mit Schleimstoffen sind beispielsweise:

·         Aloe vera, Holunder, Königskerze, Linde, Mistel, Spitzwegerich, Weißdorn

Gifte - Giftpflanzen

Gifte sind keine einheitliche Stoffgruppe in Pflanzen. Sie können ganz unterschiedlich beschaffen sein.

Die berühmtesten Gifte gehören zur Gruppe der Alkaloide und der Glykoside.

Im Prinzip kann jedoch jeder Wirkstoff zum Gift werden, wenn man ihn zu hoch dosiert.

Der Arzt und Heilpflanzenkundler Paracelsus hat schon im 16. Jahrhundert richtig erkannt:

"Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist."

Von Giftpflanzen spricht man im Allgemeinen, wenn schon geringe Mengen der Pflanze eine unerwünschte Wirkung haben.

Typische Giftpflanzen sind beispielsweise Eisenhut, Tollkirsche und Fingerhut. Sie können tödlich wirken.

Solche Giftpflanzen werden in diesem Buch nicht als Heilpflanze für die Hausapotheke empfohlen, weil sie zu gefährlich für die Selbstanwendung sind, selbst der Fingerhut, der von Ärzten durchaus als Herzstärkungsmittel verwendet wird.

In homöopathischer Potenzierung ab D4 (= starke Verdünnung) kann man jedoch sogar den tödlich giftigen Eisenhut (Aconitum) anwenden, denn dann ist er so stark verdünnt, dass er nicht mehr gefährlich ist.

Leichtere Gifte wirken nur in großen Mengen unerwünscht, beispielsweise die Beeren der Mistel oder die grünen Teile des Holunders. Diese Pflanzen werden in diesem Buch als Heilpflanzen empfohlen, weil man ungiftige Teile der Pflanzen verwendet.


 



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